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Die Startups und der „Startup‑Look“

Kunde:
Berliner Startup Landschaft
Jahr:
2016 – 2019
Ort:
Berlin
Fotografie:
Lydia Hersberger

Aufgabe

Man könnte ja denken, dass es bei der Aufgabe, eine Arbeitsumgebung zu gestalten unerheblich ist, ob man mit einem großen Konzern oder einem kleinen Startup zusammenarbeitet. Die Zeiten der sterilen Corporate Büros, mit langen grauen Gängen und vielen geschlossenen Türen ist ja schon Lange vorbei. Auch bei Dax‑30‑Konzernen stehen die Flächen voll mit Sofas, die Decken sind offen und die Kühlschränke mit Limonade gefüllt. Nur der Experte erkennt den Unterschied zwischen echtem Start‑Up und einem „Start‑Up‑Flair“ im Konzern.

Aber es gibt einen Unterschied. Das Budget. Konzerne haben Rahmenverträge mit hochpreisigen Möbelherstellern aus Zeiten, in denen es noch keine leane Produktion in Fernost oder Verdrängungswettbewerb in Europa gab. Man ist „Made-In-Germany-Preise" gewohnt.

Ein Tisch für 600€?! Dafür kann ein Programmierer einen halben Tag arbeiten! Da haben wir mehr von…

Stefan Lesche, Berlin

Vorgehen und Learnings

Start Ups starten in aller Regel mit einer Fahrt zu IKEA. Und um einen einigermaßen einheitlichen Look zu erhalten, wird auch bei den nächsten Finanzierungsrunden wieder bei IKEA eingekauft. Jede GründerIn schluckt bei über 300€ für einen Schreibtischstuhl. Nicht weil sie geizig ist, oder das Geld knapp, sondern einfach weil die Kosten-Nutzen-Relation sehr genau hinterfragt…und Anderes gewohnt ist. Mit Startups arbeiten heißt also, die gleiche Funktionalität und einen ähnlichen Look wie für Konzerne zu schaffen, aber mit mit 3‑5x weniger Budget.

Lösungsansatz

Das heißt für uns: kreativer werden! Wie kann man z.B. die Funktion einer Sitzarena für 3.000€ statt für 12.000€ schaffen? Hier gibt es verschiedene Ansätze. So z.B. den sogenannte „IKEA‑Hack“. Das heißt, günstiges Ausgangsmaterial bei IKEA organisieren, und dann über kleine aber clevere Eingriffe den Look oder die Funktion für die Aufgabe optimieren. So haben wir z.B. bei meetrics, einem jungen Berliner Unternehmen für Marketing‑Analyse‑Tools die vorhandenen IKEA‑Regale getunt. Eine einfache Mantelkonstruktion macht aus langweiligen offenen Regalen, optisch und akustisch wirksame Raumtrenner, die Flair und Struktur in die offenen Büros bringen.

Oft ist es sinnvoll die Umnutzung von bestehender Ausstattung zu durch­denken oder sich sogar auf dem Gebrauchtmarkt bzw. eBay-Kleinanzeigen umzu­sehen. Mit dem Potsdamer Startup "data4life" konnten wir so eine sehr gute, günstige und individuelle Lösung für das meist nur teuer zu lösende Akustikproblem von Altbauten finden: Recycelte Call‑Center‑Kabinen in Königsblau!

Auch junge Kreativagenturen wie wir selbst eine sind, beraten wir immer gerne. Auch hier ist oft das Thema, einen besonderen und Eindruck schaffenden Look zu kreieren, ohne zu tief in die Tasche greifen zu müssen. Hier kann Arbeitsteilung wunder wirken. Unsere teuerere externe Planungsleistung mit viel kreativer Eigenleistung zu verbinden, und Architekten und Handwerker nur dort einzusetzen, wo sich das eigene Team wirklich nichts zutraut, kann die Planungskosten mehr als halbieren. Und dieses Geld steht dann wieder für Vintage-Flipperautomaten oder Kronleuchter aus dem Palast der Tränen zur Verfügung.

Moral der Geschichte

Schön und Funktional muss nicht teuer sein, auch wenn wir das nur ungerne sagen. Wenn man nicht an Rahmenverträge gebunden ist, kann der kreative Umgang mit IKEA, Kleinanzeigen und den eigenen Mitarbeitern eine Menge Geld sparen und den Look zu einem echten Startup-Look erheben. Denn Startups würden niemals 300€ für einen Stuhl ausgeben!